Im Wesentlichen besteht eine private Rente aus einem Auszahlungsplan, in welchem das angelegte Kapital zuzüglich der erwirtschafteten Zinsen gleichmäßig über die verbleibenden Lebensjahre verteilt wird. Doch woher weiß die Versicherungsgesellschaft, wie viele Lebensjahre einem Rentenbezüger noch verbleiben? Natürlich verfügen die Versicherer über keine Glaskugel, sondern stützen sich auf statistische Beobachtungen ab, welche sie in einer speziellen Tabellen zusammenfassen: der Sterbetafel.

Eine Auflistung der Todesfälle des letzten Jahres

Die Sterbetafel ist nichts anderes als eine Aufstellung über die Todesfälle der Vergangenheit. Bei einer Rentenversicherung (eigentlich bei Lebensversicherungen im Generellen) ist von entscheidender Wichtigkeit, dass die vermessene Periode möglichst nahe an der Kalkulation eines aktuellen Tarifes liegt, denn die Zahlen verändern sich laufend und zwar seit Jahrzehnten zuungunsten der Versicherungsgesellschaften.

Aktuelles

Alter

Verbleibende Lebensjahre

Mann

Verbleibende Lebensjahre

Frau

55 25,34 29,46
56 24,51 28,57
57 23,69 27,67
58 22,87 26,78
59 22,07 25,90
60 21,28 25,03
61 20,50 24,15
62 19,72 23,29
63 18,96 22,43
64 18,21 21,58
65 17,46 20,74
66 16,73 19,90
67 16,00 19,07
68 15,28 18,25
69 14,57 17,42
70 13,87 16,61
71 13,18 15,80
72 12,50 14,99
73 11,83 14,20
74 11,18 13,43
75 10,54 12,67
76 9,92 11,92
77 9,33 11,20
78 8,76 10,50
79 8,21 9,83
80 7,68 9,17
81 7,18 8,55
82 6,70 7,95
83 6,24 7,37
84 5,80 6,83
85 5,38 6,31
86 4,99 5,83
87 4,62 5,37
88 4,28 4,95
89 3,96 4,57
90 3,66 4,21
91 3,39 3,89
92 3,15 3,60
93 2,93 3,33
94 2,73 3,09
95 2,55 2,87
96 2,39 2,67
97 2,25 2,50
98 2,13 2,33
99 2,01 2,19
100 1,90 2,06

Was kann uns eine Sterbetafel sagen?

In einer Sterbetafel wird eine große Anzahl Menschen beobachtet. Man listet die Todesfälle geordnet nach Geschlecht und Alter zum Todeszeitpunkt auf und kann daraus im Kern folgende Dinge berechnen:

  • Wie lange hat ein bestimmter Jahrgang (getrennt nach Mann und Frau) im Durchschnitt noch zu leben?
  • Wie hoch ist die durchschnittliche Lebenserwartung eines bestimmten Jahrgangs?
  • Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch eines bestimmten Jahrgangs das kommende Jahr überlebt?
  • Oder umgekehrt: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person eines bestimmten Alters innerhalb der nächsten 12 Monate stirbt?
  • Wie viele Menschen eines Jahrgangs sind noch am Leben?

Auf Grund der Informationen, welche die Sterbetafel liefert, können Versicherungen ziemlich verlässliche Annahmen treffen. Diese sind im Einzelfall zwar meisten falsch, in der großen Summe, also über den Schnitt, trotzdem sehr genau.

Sterbetafeln blicken immer in die Vergangenheit

Das Problem von Sterbetafeln liegt lediglich darin, dass sie immer vergangenheitsbezogen sind. Sie hinken damit der aktuellen Entwicklung immer ein kleines Stückchen hinterher, weil der technische Fortschritt, die bessere Ernährung, die Vorsorgebemühungen, Verbesserungen im Arbeitsschutz, die Fortschritte in der Sicherheitstechnik des Verkehr, bei der Arbeit, im Haushalt, etc. dafür sorgen, dass die Menschen älter und älter werden.

Die in unserer Darstellung verwendet Sterbetafel stammt vom Statistischen Bundesamt DeStatis und beschreibt die Periode 2010-2012, ist also sehr zeitnah.

Für Versicherungsgesellschaften ist eine solche “allgemeinverbindliche“ Sterbetafel zu ungenau. Sie müssen berücksichtigen, dass Ihre Kunden kein durchschnittliches Risiko darstellen. So selektieren die Gesellschaften bei Todesfällen einen Großteil jener Menschen bereits vor Vertragsabschluss aus, welche über ein gesundheitliches Risiko verfügen (Stichwort Risikoprüfung). Ihre Versicherten leben im Schnitt also länger.

Bei der Rentenversicherung gibt es keine Gesundheitsprüfung. Hier herrscht eine natürliche Selektion: Wer nicht an ein langes Leben glaubt, kauft sich logischerweise keine lebenslängliche Rente.

In beiden Fällen würde die Sterbetafel der DeStatis also eine zu pessimistische Lebenserwartung darstellen. Was bei der Todesfallrisikoversicherung lediglich dazu führen würde, dass der Tarif zu teuer kalkuliert würde (und deswegen nicht wettbewerbsfähig wäre), käme die Versicherung eine Fehleinschätzung bei der Rente richtig teuer, weil viel mehr Rentner von einer überdurchschnittlichen Rentenbezugsdauer profitieren würden, als dies die Sterbetafel der DeStatis hergäbe.

Aus diesem Grunde arbeiten Versicherungsgesellschaften mit verfeinerten Sterbetafeln, welche darauf spezialisierte Fachgremien (etwa die Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV) herausgegeben.

Wie wichtig eine regelmäßige Anpassung der verwendeten Sterbetafel (bzw. der daraus abgeleiteten Rententafel) ist, zeigt beispielhaft das nachfolgende Schaubild, in welchem wiederum die DeStatis zeigt, wie sich die Lebenserwartung seit 1871 entwickelt hat.

Sterbetafel Entwicklung der Lebenserwartung

Für die Rentenversicherung, bzw. die Berechnung der angemessenen Rentenhöhe, ist die Entwicklung der durchschnittlichen Lebenserwartung ohne Belang. Schließlich geht es nicht darum, wie alt ein Neugeborenes noch zu leben hat, sondern wie lange die Rentenbezugsdauer eines neu in die Rentenphase eintretenden Rentners oder Rentnerin ist. Renten beginnen in aller Regel erst im Alter von 65.

Wann sollte eine Rente beginnen – die Sterbetafel zeigt es klar

Bei der privaten Rentenversicherung ist der Beginn der Rente grundsätzlich frei wählbar. Wenn Sie jedoch einen Blick auf die Sterbetafel werfen, werden Sie rasch erkennen, dass es im Alter von 60 oder 65 Jahren noch viele Jahre sind, welche eine Rente im Durchschnitt Leistungen zu erbringen hat. Entsprechend tief sind inzwischen die Neurentnern.

Was die Dramatik der gestiegenen Lebenserwartung ausmacht, ist die gestiegene Restlebenserwartung in den Jahrgängen, welche im „rentenfähigen“ Alter sind. Wenn diese Restlebenserwartung um mit 65 zwei Jahre steigt, so bedeutet dies eine Steigerung des Rentenanspruchs von sage und schreibe 11,45%, was sich wiederum in einer generellen Absenkung des Rentensatzes widerspiegelt.

Extreme Steigerungen bei der Rentenbezugsdauer

Tatsächlich sind die Umwälzungen jedoch bedeutend dramatischer. Während im Jahr 1960 eine durchschnittliche Rentenbezugsdauer bei der gesetzlichen Rentenversicherung bei westdeutschen Männern noch bei 9,6 Jahren lag, steigerte sich diese bis 2012 auf 20,8 Jahre. Eine Zunahme von sage und schreibe 116%! (Daten stammen von der Bundeszentrale für politische Bildung)

Aus diesen Fakten können Sie unschwer Schließen, wie stark der Rentensatz der privaten Rentenversicherung in den vergangenen 50 Jahren gesunken sein muss!

Obwohl diese Entwicklung für alle offensichtlich ist, obwohl die Fakten längst bekannt sind, wurden die notwendigen Konsequenzen beim Aufbau der privaten Vorsorge nur ungenügend vollzogen. Die Folge aus diesem Versäumnis ist ebenso klar.

Sterbetafel und Rentenbezugsdauer