Rente mit 67 muss weg…

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Rente mit 67 muss weg …

Die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) basiert seit ihrer Einführung auf einem Generationenvertrag. Obwohl dieser Vertrag von Menschen geschlossen wurde, welche heute in ihrer Mehrheit nicht mehr am Leben sind. Obwohl die heute Beteiligten diesen Vertrag niemals gelesen oder unterschrieben haben, dürfte er so etwas wie der gemeinsame Nenner der deutschen Gesellschaft sein und damit einer der wenigen unumstrittenen Vereinbarungen des Landes. Die Diskussion um den Rückbau der Rente mit 67 hat das Potential dies zu ändern.

Der Generationenvertrag – ein Vertrag ohne Unterschrift

Der Generationenvertrag ist ein ungeschriebenes Werk. Er ist weniger ein Vertrag, denn eine Idee. Er steht für die Solidarität der jüngeren Generationen mit der alten. Vereinfacht beinhaltet er das Versprechen, dass die jüngeren, arbeitsfähigen Menschen mit einer Abgabe auf ihrem Arbeitsentgelt dafür sorgen, dass auch jene ein Auskommen haben, welche von Alters wegen dem Arbeitsprozess entwachsen sind. Sie leisten ihren Beitrag im Vertrauen, dass nachfolgende Generationen sich ebenso verhalten und damit ihre Rente ebenfalls gesichert ist.
Generationenvertrag ist demnach ein anderes, ein schöneres Wort für Umlageverfahren: Die Beiträge zur Rentenversicherung werden nicht individuell angespart (wie bei der kapitalgedeckten privaten Altersvorsorge), sondern gleich wieder ausbezahlt und weitergereicht an die Rentnergeneration.[/vc_column_text][/vc_column][/mk_page_section]

Der lange Weg zur Rente mit 67

Seit dem Jahr 2012 steigt das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre. Die Umstellung begann dem Geburtsjahrgang 1947. Menschen mit diesem Jahrgang müssen einen Monat länger arbeiten, wenn sie ihre Rente vollständig erhalten wollen. Bis 2023 kommt dann für die einzelnen Jahrgänge jeweils ein Monat Mehrarbeitszeit hinzu. Ab 2024 geht es weiter in Zweimonatsschritten. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 gilt dann das neue Rentenalter 67.

Die Altersrente der GRV ist auf Dauer nicht zu finanzieren

Soweit so gut. Aufgrund der demographischen Entwicklung steht der Generationenvertrag auf der Kippe. Nicht in den Köpfen der Menschen, sondern rein rechnerisch: Wenn immer weniger Menschen dafür sorgen müssen, dass immer mehr eine Rente erhalten, wird es früher oder später so sein, dass sich Arbeit nicht mehr lohnt, weil ein Großteil des Einkommens für den Generationenvertrag (der ja nicht nur die gesetzliche Rentenversicherung, sondern auch die gesetzliche Krankenversicherung und die gesetzliche Pflegeversicherung beinhaltet) drauf geht. Was vom Bruttoeinkommen den Sozialversicherungsschnitt übersteht, wird dann noch durch die Steuern gekappt (welche ebenfalls in Teilen einem Generationenvertrag gleicht).
Was der Mehrheit der Bürger nicht bewusst ist: Es ist nicht alleine der Rückgang der Geburtenrate, welche zu dieser Entwicklung geführt hat, sondern in erster Linie die längere Lebenserwartung der Menschen. Besser die höhere Rentenbezugsdauer.

Rentenbezugsdauer hat sich verdoppelt

Seit der Einführung der gesetzlichen Rentenversicherung wie wir sie heute kennen – welche mit der ursprünglichen Rente, wie sie vor 125 Jahren eingeführt wurde nichts mehr zu tun hat – hat sich die Rentenbezugsdauer mehr als verdoppelt. Ganz grob: Während die Menschen früher froh waren, wenn sie nach der Pensionierung noch 10 Jahre zu leben hatten, sind es heute bereits 20. Und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Alleine aufgrund dieser Entwicklung kommt das ursprüngliche Finanzierungsmodell der gesetzlichen Rentenversicherung stark ins Wanken.

Die Politik hat auf diese Entwicklung reagiert. Zu spät, zu zögerlich und viel zu wenig konsequent. Ein wesentlicher Faktor dabei ist die stufenweise Heraufsetzung des Renteneintrittsalters: Die Rente mit 67 wird bis in Jahr 2029 umgesetzt.

Rente 67: zu wenig, zu spät

Alleine für die Umsetzung der im Jahre 2007 beschlossenen Neugestaltung hat es 5 Jahre gedauert. In dieser Zeit dürfte sich die tatsächliche Rentenbezugsdauer um mehr als ein Jahr verlängert haben. Damit war der halbe Effekt von Rente mit 67 bereits kompensiert! Und die Entwicklung geht weiter.

Das kleine Beispiel macht deutlich, dass mit der reinen Erhöhung des Renteneintrittsalters auf moderate 67 noch nichts gelöst ist. Die Finanzierung wird auch mit diesem Mechanismus nicht wieder auf eine gesunde Basis gestellt. Es sind weitere Reformen nötig und es ist absehbar, dass nicht nur irgendwann eine weitere Erhöhung des Rentenalters folgen wird, sondern dass in erster Linie weitere Leistungskürzungen notwendig sind. Das ist nicht schön, das ist nicht wünschenswert, das ist nicht das, was die Menschen wollen. Aber es ist notwendig.

Wird die Rente mit 67 zurückgenommen?

Es gibt nur einen Grund, weshalb dieser Trend aufgehoben werden könnte: Irgendeine populistische Partei könnte, angetrieben von der Angst um ihr politisches Überleben, versuchen das Rad der Zeit zurückzudrehen und Rente mit 67 wieder kippen, um das alte System wieder einzuführen.

Natürlich wäre eine solche Restauration hirnrissig, würde aber in der Tradition solcher Parteien stehen, Geld zu verteilen, welches nicht da ist und populäre Forderungen zu stellen, welche sie selber nicht bezahlen müssen.

Es wird nicht dazu kommen. Auch wenn aktuell der linke Flügel der ehemaligen Volkspartei SPD versucht, ihre an die AfD verlorenen Wähler durch Forderungen nach der Abschaffung von Rente mit 67 wieder zu ihnen zurück zu lotsen: Die Rente so, wie wir sie heute kennen, wird auf Dauer ohne weitere einschneidende Reformationen nicht zu halten sein. Denn das ist die Krux am Generationenvertrag: Man kann in einem Umlageverfahren nur das Geld verteilen, welches da ist.

Und dieses Geld wird in den kommenden Jahrzehnten immer knapper. Das hängt nicht alleine an der demographischen Entwicklung, sondern vor allem an der Tatsache, dass zukünftig auch jene Arbeiten, welche heute noch von gut qualifizierten und gut bezahlten Menschen erledigt werden, bereits in wenigen Jahren von Maschinen besser, schneller, kostengünstiger und (und heute noch) ohne Sozialversicherungspflicht erledigt werden. Ob neben den wegfallenden Jobs neue Aufgaben entstehen? Weiße heute noch niemand.

Ob diese neuen Jobs in Deutschland entstehen, werden übrigens auch nicht.

Die Politiker dieses Landes würden gut daran tun ihre Energie in die Gestaltung der Zukunft dieses Landes zu investieren. Dazu gehört auch die Frage, wie Menschen im Alter finanziert werden können. Wenn Sie hierfür verlässliche und überzeugende Antworten finden, wird sich ihr Wähleranteil auch wieder verbessern. Mit Antworten aus den 50er Jahren wird das kaum der Fall sein.

Zusammenfassung

Die Rente mit 67 ist das Ergebnis einer stark wachsenden Rentenbezugsdauer. Die Wirkung der Einsparungen von Rente mit 67 ist zwar groß, reicht aber bei Weitem nicht aus, die gesetzliche Rentenversicherung wieder auf gesunde Beine zu stellen. Die Rente mit 67 ist deshalb nur ein Zwischenschritt in einem Anpassungsprozess, welcher schmerzlich ist, weil er den Abschied von liebgewonnenen Gewohnheiten bedeutet. Die Politik liebt solche Zwischenschritte, weil ihr das eigene politische Überleben wichtiger ist, als passende Lösungen für brennende Probleme.