Rentenbezugsdauer

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Rentenbezugsdauer

Die Rentenbezugsdauer umfasst die Zeit vom Beginn der Rentenzahlung, bis zum Tod des Rentenbezügers / der Rentenbezügerin. Je länger die durchschnittliche Rentenbezugsdauer ist, desto höher ist der Kapitalbedarf, um eine bestimmte Rentenhöhe darzustellen. Dabei gilt es zwischen dem umlagefinanzierten Rentensystem der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) und dem kapitalgedeckten Rentensystem der privaten Rentenversicherung zu unterscheiden.

Grundsätzliches zur Rentenbezugsdauer

Die öffentliche Diskussion bezüglich der Finanzierung der Rentenversicherung (in der Regel handelt es sich hier natürlich um die gesetzliche Rentenversicherung, wenngleich auch die geförderten Rentenformen (Förderrente / Riesterrente, Basisrente / Rürup-Rente davon betroffen sind) wird beherrscht von Entwicklung der durchschnittlichen Lebenserwartung der Bundesbürger. Diese ist seit Ende des zweiten Weltkrieges stetig im Steigen begriffen, weshalb sich die Zahl der Hundertjährigen innerhalb von einem Jahrhundert, von ca. 2 auf über 14.000 (Stand 2014) explosionsartig vervielfacht hat. Alleine seit dem Jahr 2000, dürfte sich die Zahl beinahe verdreifacht haben!

Insgesamt ist die durchschnittliche Lebenserwartung von 1960 bis 2010 von 66,9 Jahren auf 77,2 Jahren bei Männern und von 72,4 Jahren auf 82,7 Jahren bei Frauen gestiegen. Die Lebenserwartung der Männer ist in dieser Zeit also um 15% und die der Frauen um 14,2% gestiegen.

Alleine auf Grund dieser Zahlen ist ersichtlich, dass sich der Kapitalbedarf für die Finanzierung einer bestimmten Rente durch diese Entwicklung erhöht hat.

Wichtiger wie die durchschnittliche Lebenserwartung (welche auch die Daten von Menschen enthält, welche frühzeitig versterben, also eben nicht ins Rentenalter kommen) ist die durchschnittliche Rentenbezugsdauer. Diese ergibt sich, wenn man die durchschnittliche Lebenserwartung zum Zeitpunkt des Renteneintritts ergibt.

Diese Zahl hat sich bei der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) seit 1960 verdoppelt! Auch hier lässt sich ein Ende der Entwicklung im Moment noch nicht absehen und es erklärt eindrücklich, weshalb sich die Umwandlungssätze bei der privaten Rentenversicherung in den letzten Jahren massiv nach unten bewegt haben. Das ist einfach nachvollziehbar: wenn ein Kapital nicht auf 10, sondern auf 20 Jahre verteilt werden muss, kann die Konsequenz nur sein, dass sich die Rente in etwa halbiert!

Die Situation in der gesetzlichen Rentenversicherung

Die gesetzliche Rentenversicherung ist eine Pflichtversicherung. Diese Pflicht gilt in beide Richtungen: Jeder, welcher die Kriterien einer sozialversicherungspflichtigen Anstellung erfüllt, wird zwangsweise der gesetzlichen Rentenversicherung unterstellt. Umgekehrt bedeutet dies allerdings auch, dass niemandem die Aufnahme in die gesetzliche Rentenversicherung verwehrt werden kann, nur weil er oder sie gesundheitlich vorbelastet ist.

Daraus ergibt sich, dass die gesetzliche Rentenversicherung eine Rentenbezugsdauer hat, welcher in etwa dem Durchschnitt der Bevölkerung entspricht. Tendenziell dürfte die Rentenbezugsdauer sogar etwas niedriger ausfallen, weil gesundheitlich benachteiligte Menschen eher eine Festanstellung (Versicherungsschutz, Sicherheit) anstreben werden. Die Differenz dürfte allerdings gering sein.

Bei der gesetzlichen Rentenversicherung hängt die Rentenbezugsdauer allerdings nicht nur von der Restlebenserwartung zum Zeitpunkt des gesetzlichen Renteneintrittsalters ab. Viel verheerender ist, dass das Zugangsalter aus politischen Gründen für bestimmte Personengruppen (langjährig Versicherte, Langzeitarbeitslose, Frührentner) immer wieder nach unten geöffnet wurde. Solche kurzfristigen Maßnahmen haben für die Rentenkasse sehr langfristige Folgen (ausfallende Beiträge aus sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen, höhere Beitragslasten für die verbleibenden Arbeitnehmer, bzw. die Arbeitgeber).

Im Jahr 1960 bezogen Frauen während 10,6 Jahren eine Altersrente der gesetzlichen Rentenversicherung. 2014 waren es bereits deren 21,4 Jahre – eine Steigerung von 101 %! Bei den Männer waren es 1960 noch 9,6 Jahre, während es 2014 bundesweit 17,4 Jahre. Auch hier haben wir eine Steigerung um 81 %.

Die Situation bei den privaten Rentenversicherungen

Bei der privaten Rentenversicherung besteht kein Kontraktionszwang, vielmehr liegt die Entscheidung beim Versicherungsnehmer, ob er es für ihn günstig erscheint eine lebenslange Rente abzuschließen oder nicht. Dies hat zur Folge, dass wir hier eine negative Selektion sehen: Wer glaubt noch ein langes Leben vor sich zu haben, wird deshalb eher zum Abschluss neigen, wie ein bereits kranker Mensch mit offensichtlich verkürzter Lebenserwartung. Die Folge: Die durchschnittliche Rentenbezugsdauer steigt.

Leider ist die Datenlage hier jedoch nicht ganz so einfach zu ermitteln. Zum mangelt es bei privaten Rentenversicherungen um ein mehr oder minder standardisiertes Renteneintrittsalter, zum andern sind die Träger unterschiedliche Unternehmen, welche ihre Datenbestände zumindest nicht offen miteinander abgleichen.

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/273406/umfrage/entwicklung-der-lebenserwartung-bei-geburt--in-deutschland-nach-geschlecht/

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