Deutschland-Rente – ein neue Sau im Dorf

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Deutschland-Rente – Wer nicht bezahlt, will trotzdem befehlen.

Endlich geht es mit der Vorsorge in Deutschland voran. Nach der gesetzlichen Rentenversicherung, der Basisrente (Rürup-Rente), der Förderrente (Riesterrente) und fünf Durchführungswegen der bAV soll mit der sogenannten Deutschland-Rente endlich der Durchbruch gelingen: Versorgungssicherheit für alle deutschen Arbeitnehmer.

Zumindest wenn es nach der Idee dreier hessischer Landesminister geht, welche mit einer Bundesratsinitiative versuchen wollen, die Deutschland-Rente als zusätzliches Modul der privaten Altersvorsorge einzuführen. Wobei privat sollte man in diesem Zusammenhang nicht ganz wörtlich nehmen, denn die Drei denken laut über einen Zwangsbeitrag für Arbeitnehmer nach.

Was steckt hinter der Idee einer Deutschland-Rente?

Nicht nur dem schwarz-grünen Trio ist aufgefallen, dass viele ihrer Mitbürger es versäumen, die Lücke welche die Rentenreform 2001 in die Altersvorsorge geschlagen hat, durch die dafür gedachte Förderrente (Riesterrente) aufzufüllen. Das Problem dabei: Je größer die Lücke in der Altersvorsorge ist, desto mehr muss der Staat an Sozialleistungen aufbringen, um die Vorsorgeverweigerer im Alter über Wasser zu halten. Das ist natürlich nicht im Sinne der Politik, weshalb man versucht durch zusätzliche Angebote in der privaten Vorsorge, die Motivation der Bürger zu erhöhen. Die Botschaft ist klar: Verzichte im Hier und jetzt auf etwas Konsum, damit Du vielleicht, aber nur vielleicht im Alter mehr zu Deiner eigenen Versorgung beitragen kannst.

Natürlich bleibt das Problem, welches auch schon beim Thema Riester ins Spiel gebracht wurde und wofür die Medien von der Politik als unmoralisch abgekanzelt wurden: Weshalb sollten jene 40 % der zukünftigen Rentner, denen ein Leben in Altersarmut kaum mehr zu ersparen ist, heute Teile ihres spärlichen Nettoeinkommens abtreten, wenn ihnen die daraus resultierende Rente im Alter von der Grundsicherung abgeht? Wegen der Moral??

Die Riester-Rente, das ungeliebte Kind

Konsumentenschützer und Politiker sind mit der Riesterrente nie richtig warm geworden. In meinen Augen zurecht, weil es ein typisch deutsches Bürokratiemonster ist. Altersvorsorge muss einfach sein. Man hat Geld übrig, man zahlt es ein. Fertig. Am Ende des Jahres erhält man einen Wisch, auf welchem die Beiträge aufgeführt sind. Diese kann man bis zu einer gewissen Höhe einfach als Sonderausgabe vom Einkommen abziehen. Fertig. So funktioniert es in anderen Ländern, wo die private Vorsorge auf diesem Weg wunderbar funktioniert.

Vorsorge muss in Deutschland mit Papier verbunden sein. Viel Papier

Nicht so in Deutschland. Hier müssen Papierberge her, müssen alle möglichen mittelbaren und unmittelbaren Möglichkeiten abgeklärt werden, um danach zum Schluss zu kommen, dass man entweder einen Zuschuss bekommt oder auch nicht, weil der Steuervorteil doch grösser ist. Humbug.

Natürlich kritisieren die drei Landesminister nicht diesen Leerlauf, sondern die hohen Vertriebs- und Verwaltungskosten der Verträge. Und die tiefe Rendite. Welche natürlich auch etwas am Umstand hängt, dass bei Riester Verträgen eine Beitragsgarantie eingebaut ist, welche selbst in einem blendenden Umfeld dafür sorgen würde, dass das Kapital viel zu konservativ angelegt werden muss.
Die Deutschland-Rente soll es nun richten. Die Initianten wollen die Kosten senken, indem man das Angebot auf ein einfaches Standardmodell reduziert, was grundsätzlich nicht falsch ist.

Das Kapital wiederum soll ein Staatsfonds für die Deutschland-Rente verwalten. Dieser könne – analog des norwegischen Beispiels eines gut funktionierenden Staatsfonds – deutlich kostengünstiger und deshalb rentabler arbeiten. Auch das könnte in der Theorie sein, wenn es gelingt, gute Leute für weniger Geld zum Staatsfonds zu locken.

Selbstverständlich würde die Deutschland-Rente viel stärker in Aktien investieren, wie das bei den heutigen Vorsorgeprodukten der ersten und zweiten Schicht der Fall ist.

Träumt weiter: Rendite ohne Risiko und politische Einflussnahme

Klingt alles vernünftig. Einmal abgesehen davon, dass es völlig an der Lebenswirklichkeit vorbeizielt.

Wer unter den gegebenen Umständen der Finanzmärkte eine Rendite von 5 % erzielen will – wie das der norwegische Staatsfonds aktuell gerade so hinbekommt – wird mit der bitteren Wahrheit konfrontiert, dass dies nicht ohne Risiko zu schaffen ist. Ein Risiko, welches ich vorsichtig betrachtet mit 10-20 % bewerten würde.

Will heißen, wenn die Sache gut geht, klopfen sich alle auf die Schultern, die Rente wird erhöht und alle sind zufrieden. Dumm wird es, wenn aus dem Plus von 15 % des Vorjahres ein Minus von 20 % im folgenden Jahr wird. Sicher, man kann sich mit gegen diese Verluste versichern, aber das kostet viel, viel Geld.

Zurück zu den möglichen Verlusten. Kann sich einer vorstellen, welches Geheule ein solch politischer Staatsfonds auslösen würde, wenn Verluste eingefahren werden? In einem Land, welches sich mit Inbrunst darauf konzentriert auf die Fehler der Andern zu warten, damit die politisch Verantwortlichen den Hut nehmen können?

Wie soll das mit dem Staatsfonds laufen? Anders als der norwegische Staatsfonds, welcher regelmäßige Einlagen erfährt, müssen Versicherten hierzulande sich schon in wenigen Jahren am Riemen nehmen, damit Sie mehr Beiträge einzahlen, wie Renten ausbezahlt werden. Diese beiden Anlagemodelle kann man gar nicht miteinander vergleichen. Zumal eine Deutschland-Rente bei null beginnen würde. Da ist kein ausgleichender Deckungsstock, welcher Wertschwankungen auszugleichen vermag.

Das ungelöstes Problem der Langlebigkeit

Überhaupt, die Rendite. Die Riesterrente wird kritisiert, weil es ewig lange dauert, bis überhaupt einmal das einbezahlte Kapital in Form von Rentenzahlungen wieder ausbezahlt wird. Das liegt zwar auch, aber keinesfalls vor allem an der Kostenstruktur und den zu tiefen Renditen der Versicherungen. Vielmehr liegt es an einer stetig steigenden Lebenserwartung. Diese führt dazu, dass das vorhandene Kapital immer weiter gestreckt werden muss. Weil anzunehmen ist, dass die Verlängerung der Rentenbezugsdauer keineswegs am Ende ist, sondern dank des medizinischen Fortschritts stetig weiter entwickelt wird, muss die potentielle Entwicklung in den Renten eingepreist werden. Leider ist da keine Punktlandung möglich, weshalb die Rentensätze sehr vorsichtig kalkuliert werden. Das wäre bei einer Deutschland-Rente vermutlich nicht anders, soll das Teil den Versicherten nicht früher oder später um die Ohren fliegen.

Die Zielgruppe macht Probleme – sie hat kein Geld!

Eine Deutschland-Rente hätte das Ziel, den bisher schwach versorgten Bürgern mehr Rente zu verschaffen. Wer jedoch nur ein klein bisschen mit beiden Füssen auf dem Boden steht und sich mit wirtschaftlich eher schwach gestellten Arbeitnehmern über deren Haushaltsbudget zu sprechen, wird rasch erkennen, dass die keine müde Mark übrig haben. Auf jeden Fall nicht in München, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, wo die Mieten inzwischen so hoch sind, dass diese durch unterdurchschnittlich verdienende Arbeitnehmer kaum mehr aufzubringen sind. Bekommen diese jetzt mehr Wohngeld, damit sie sich die Beiträge für die Deutschland-Rente leisten können?
Wer über dem staatlich vorgesehenen Versorgungsniveau im Alter steht, hat eigentlich kein Interesse daran, weiteres Geld in eine staatlich regulierte Altersvorsorge zu stecken. Diese raubt ihm die Freiheit, selber über die Verwendung seines Geldes zu entscheiden. Sie raubt die Freiheit eigene, vielleicht dynamischere Anlagemodelle zu verfolgen. Sie ist nicht mehr und nicht weniger ein weiteres Stück

Bevormundung durch einen Staat, der zwar für seine Bürger nicht mehr zahlen kann und will, ihm aber trotzdem immer mehr vorschreibt, was er zu tun und zu lassen hat.

Echte Reformen wären gefragt. ECHTE!

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich sehe die Probleme sehr wohl, aber die lassen sich mit einem weiteren „privaten“ Altersvorsorge-Instrument nicht lösen. Es bedarf einer umfassenden Reform des bestehenden Vorsorgesystems. Die Altersvorsoge sollte sich nicht nach steuerlichen Motiven richten (das 3-Schichten-Modell der Vorsorge ist ein Steuerprinzip, kein Vorsorgemodell), sondern auf dem bewährten 3 Säulen Prinzip aufbauen.

Eine gesetzliche Rentenversicherung, welche nach einem echten und umfassenden Solidaritätsprinzip funktioniert und Gehaltsdifferenzen im Berufsleben im Alter etwas ausgleicht (Ja richtig: Umverteilung). Eine GRV, welche allen eine Grundrente zusichert und eine würdevolle Existenz im Alter sichert.

Eine obligatorische berufliche Vorsorge, in welchem es nicht um Solidarität geht, sondern um das Ansparen von Kapital, damit man sich auch im Alter noch etwas mehr leisten kann, als nur das Überlebensnotwendige (solche Pensionskassen arbeiten übrigens mit Kollektivtarifen, was das Ganze viel günstiger macht, wie Einzelverträge à la Riester).

Eine private Vorsorge, welche auf jede Bevormundung und steuerliche Förderung verzichtet. Wer es sich nämlich im Alter richtig gut gehen lassen will, ist auch bereit etwas dafür zu tun, ohne dafür „motiviert“ zu werden. Außerdem richtet sich die private Vorsorge an jene, welche es sich auch tatsächlich leisten können. Da braucht es nicht noch weitere Staatszuschüsse.

Die Deutschland-Rente löst keine Probleme

Die vorgeschlagene Deutschland-Rente löst kein einziges unserer Probleme, schafft aber jede Menge Aufwand. Man kann nur hoffen, dass die übrigen Ratsmitglieder dies auch so sehen und das Teil in die Tonne stampfen, bevor eine weitere Zwischenschicht in das 3-Schichten-Modell nach Professor Rürup eingezogen wird.

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