In Deutschland basiert das Vorsorgesystem gemäß dem Altersvermögensgesetz und dem Rentenversicherung-Nachhaltigkeitsgesetz auf drei Säulen, die zusammen das sogenannte Dreisäulensystem der Vorsorge bilden (nicht zu verwechslen mit dem 3 Schichten Modell, welches die Besteuerung regelt!). Die Elemente der Vorsorge sind:

1. Säule: die gesetzliche Vorsorge

Dazu zählen die Sozialversicherungesrente der Arbeitnehmer, die Alterssicherung der Landwirte (AdL), die Berufsständische Versorgung (BSV), die Künstlersozialversicherung und die Beamtenversorgung.

2. Säule: ergänzende erwerbsbasierte Alterssicherung

Hierzu zählt in erster Linie die betriebliche Altersvorsorge, aber auch die Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes (ZÖD).

3. Säule: private Vorsorge

Private Rentenversicherungen, Kapitallebensversicherungen, Riester-Rente, Rürup-Rente, Fondspolicen, Garantierenten, Fondssparpläne, Immobilienbesitz, etc.

Das Dreisäulensystem hat sich grundsätzlich bewährt. Nicht zuletzt ist es auch für Laien sehr anschaulich und leicht verständlich:

Die erste Säule dient der Grundversorgung und sichert das einfache Überleben. Dazu gehört konsequenterweise auch die Grundsicherung (Einige Darstellungen zählen die Grundsicherung als eigenständige Säule, was aber nach der hier gewählten Systematik nicht sinnvoll erscheint).

Die zweite Säule dient der Fortsetzung des gewohnten Lebensstils in angemessener Höhe.

Die dritte Säule deckt den sogenannten Wahlbedarf ab und damit die individuellen Bedürfnisse jenseits des Standardbedarfes.

Natürlich sind in der Praxis die Grenzen – vorab im unteren Einkommensbereich, mit einer schlechten Rentenversorgung – fließend. Trotzdem ist diese Gliederung für das Verständnis des 3-Säulen-Prinzips der Vorsorge sehr hilfreich, weil klar dargelegt wird, bis, zu welchem Grad die kollektive Solidarität reicht und ab welchem Punkt die Eigenverantwortlichkeit greift.

Die konzeptionelle Grundlage des Alterseinkünftegesetzes:

das 3 Schichten Modell der Vorsorge

Neben dem Dreisäulensystem gibt es noch eine andere Klassifizierung, welche sich weniger mit den Trägern der Altersvorsorge, sondern der steuerlichen Behandlung der Leistungen beschäftigt: das 3-Schichten-Modell.

Das 3 Schichten Modell wurde nach Vorarbeiten der sogenannten Rürup-Kommission (benannt nach dem Leiter der Kommission, Herrn Prof. Dr. Bernt Rürup) im Rahmen des Alterseinkünftegesetzes im Jahre 2005 in Kraft gesetzt.

Die Reform wurde nötig, weil ein ehemaliger Staatsangestellter vor Gericht moniert hatte, dass er seine Pension voll zu versteuern hätte, während die Bezüger einer Rente der gesetzlichen Rentenversicherung den Arbeitgeberanteil steuerfrei erhielten. Das Bundesverfassungsgericht bestätigte in seinem Urteil von 2002, dass diese steuerliche Ungleichbehandlung verfassungswidrig sei, worauf der Gesetzgeber eine Neuordnung vornahm.

Reform des Sozialsystems durch die fiskale Hintertür

Zwar zielte die Reform in erster Linie darauf ab, die Rentenbezüge der Besteuerung zu unterwerfen (um im Gegenzug die Rentenversicherungsbeiträge steuerfrei zu stellen), doch die Rürup-Kommission nutzte die Gelegenheit, um über den Umweg der Steuerreform auch den Vorsorgegedanken neu zu definieren – und um damit langfristig die Staatskasse zu entlasten.

Laut dem Rürup-Konzept, welches praktisch 1:1 im Alterseinkünftegesetz übernommen wurde, soll nur noch steuerlich gefördert werden, was uneingeschränkt der Vorsorge dient. Deswegen unterscheidet die Rürup-Kommission streng zwischen Produkte, welche lediglich der Absicherung des Lebensunterhaltes dienen können (also Renten) und der privaten Vermögensbildung (alles andere, außer Renten).

Vorsorge soll klar der Absicherung der Altersversorgung dienen

Warum machte die Rürup-Kommission diese Unterscheidung? Weil Renten im Gegensatz zu Vermögenswerten nicht übertragen und nicht vorzeitig für vorsorgefremde Zwecke genutzt werden können. Diese Trennung macht durchaus Sinn. Die allgemeine Lebenserfahrung zeigt, dass viele Menschen angesichts der Menge Geld, welche zum Rentenbeginn auf dem Konto liegt, nur schwer umgehen können.

Es ist regelmäßig vorgekommen und kommt weiterhin vor, dass angesichts des vielen Geldes und der aufkommenden Langeweile im Alter, das vorhandene Vermögen innerhalb kürzester Zeit verbraucht wurde. An sich ist das nichts Verwerfliches, wenn die Solidargemeinschaft nicht im Anschluss mit der Grundsicherung einspringen muss. Mit dem 3 Schichten Modell kann dies zwar nicht zur Gänze verhindert werden. Immerhin zeigt die Rürup-Kommission einen Weg auf, wie man das steuergeförderte Ansparen auf den letzten dicken Mercedes verhindern kann. Nämlich indem man eine Steuerförderung nur noch auf Renten zulässt, welche weder veräußert, verpfändet oder übertragen (Ausnahme Ehegatte / Ehegattin) werden dürfen.

Mit dieser Regelung wird im gleichen Zuge natürlich auch vermieden, dass die zuvor steuerlich geförderten Vermögensteile durch eine Übertragung auf kommende Generationen vor dem Zugriff des Sozialamtes geschützt werden. Ein Vorgang, welche regelmäßig bei einem sich abzeichnenden Pflegefall beobachtet werden kann.

Wir sehen: Das 3 Schichten Modell der Rürup-Kommission ist kein eigentliches Vorsorgekonzept, sondern der Versuch die Staatsfinanzen auf die Anforderungen einer sich zunehmend überalternden Gesellschaft vorzubereiten.

Wie sieht das 3 Schichten Modell nach Rürup konkret aus?

Das 3 Schichten Modell gliedert die Anlageprodukte, welche grundsätzlich für den Aufbau einer Altersvorsorge infrage kommen in drei Kategorien (Schichten). Diese unterscheiden sich hinsichtlich ihrer staatlichen Förderung (Steuervorteile, Zuschüsse, etc.), sowie der vorzeitigen Liquidierbarkeit.

1. Schicht: die Basisversorgung

Zur Basisversorgung zählen Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung, aus berufsständischen Versorgungswerken, aus landwirtschaftlichen Alterskassen und aus der kapitalgedeckten Basisrente (Rürup-Rente). Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht beleihbar, nicht vererbbar, nicht veräußerbar, nicht übertragbar und nicht kapitalisierbar sind. Die Basisversorgung unterliegt vollständig der nachgelagerten Besteuerung.

2. Schicht: die kapitalgedeckte Zusatzversorgung

Zur zweiten Schicht gehören die Ansprüche aus der kapitalgedeckten Zusatzversorgung. Dazu zählt die betriebliche Altersversorgung (bAV) mit ihren fünf Durchführungswegen (Pensionszusage, Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds, Unterstützungskasse). Außerdem wird die staatlich geförderte private Zusatzvorsorge (Riester-Rente) dieser Schicht zugerechnet. Auch auf dieser zweiten Schicht greift die nachgelagerte Besteuerung.

3. Schicht: die private Vorsorge

In die dritte Schicht der privaten Vorsorge fallen alle vermögensbildenden Prozesse, welche nicht bereits in der ersten oder zweiten Schicht erwähnt wurden: etwa die klassischen Rentenversicherungen, die klassischen Kapitallebensversicherungen, sämtliche auf Fonds basierten Lebensversicherungsprodukte und Sparpläne, klassische Kapitalanlageinstrumente und dergleichen mehr. Über diese Anlagen kann der Anleger / die Anlegerin weiterhin nach seinem / ihrem freien Willen verfügen. Dabei muss allerdings auf eine staatliche Förderung verzichtet werden. Die Finanzierung der privaten Vorsorge erfolgt aus Mitteln, welche bereits versteuert worden sind. Eine steuerliche Abzugsfähigkeit gibt es nicht. Man spricht daher von einer vorgelagerten Besteuerung.

Ganz konsequent wurde die Trennung der steuerlichen Privilegierung allerdings nicht vorgenommen.

Lebensversicherungen und Rentenversicherungen genießen weiterhin ein zwar reduziertes, aber immer noch vorteilhaftes Steuerprivileg. Mehr dazu finden Sie hier → die Besteuerung der privaten Rentenversicherung und Kapitallebensversicherung.

https://www.bmf.gv.at/steuern/Lebensversicherungen.html