Aufgeschobene Rentenversicherung mit vollem Steuerprivileg
Das Multitalent

Die aufgeschobene Rentenversicherung bietet viele Möglichkeiten

Die meisten privaten Rentenversicherungen in Deutschland werden als aufgeschobene Rentenversicherungen abgeschlossen. Das ist einleuchtend, denn jeder Versicherungsvertrag mit einer ratierlichen Prämienzahlung (bei denen die Beiträge also nicht mit einer, sondern mit regelmäßigen monatlichen, vierteljährlichen, halbjährlichen oder jährlichen Zahlungen geleistet werden) fällt unter die Kategorie aufgeschobene Rentenversicherung. So sind nahezu alle Riester-Renten unter die Rubrik aufgeschobene Leibrenten.

Was ist das Wesen einer aufgeschobenen Leibrente?

Diese Frage ist einfach zu beantworten: Bei einer aufgeschobenen Leibrente fallen Versicherungsbeginn und Rentenzahlung nicht zusammen. Die Renten werden also erst in einer im Vertrag festgelegten Zukunft ausbezahlt. Etwa beim Erreichen des gesetzlichen Rentenalters.

Das hat zur Folge, dass wir bei einer aufgeschobenen Rentenversicherung zwischen der sogenannten Aufschubphase und der Rentenbezugsphase unterscheiden. Während der Aufschubphase wird das einbezahlte Kapital angesammelt und angelegt. Die Aufschubphase ist also dient also in erster Linie der Vermögensbildung bzw. der Vermögensverwaltung.

In der Rentenbezugsphase bleibt das nicht zur Rentenzahlung benötigte Kapital zwar auch angelegt und wird somit verwaltet, doch der Schwerpunkt liegt natürlich in der Auszahlung der gewünschten Rente. Zumindest aus der Sicht des Anlegers ist das so. Für die Versicherungsgesellschaft selber macht dies keinen Unterschied. Sie ist auch während der Rentenbezugsphase die Verwalterin Ihres Vermögens. Das ändert sich erst dann, wenn Sie die (zum Zeitpunkt des Versicherungsabschlusses geltende) Restlebenserwartung überschritten haben. Jetzt ist Ihr Vermögen rechnerisch gesehen nämlich aufgebraucht. Die Versicherung muss nun die eigentliche Versicherungsleistung erbringen: den Vermögensausgleich zwischen jenen, die vorzeitig versterben und denen, die das Glück eines langen Lebens genießen können.

Welchen Versicherungsschutz genießen Sie während der Aufschubphase?

Das hängt von Ihrem Vertrag ab. Hier ist alles denkbar. Grundsätzlich gilt, dass die einzige natürliche Versicherungsleistung einer aufgeschobenen Rentenversicherung eigentlich die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos darstellt. Dieses Risiko beginnt aber erst nach Beginn der Rentenzahlung – und in den meisten Fällen sogar deutlich später als die erste Rentenzahlung.

Sie können mit Ihrer Versicherungsgesellschaft jedoch zusätzliche Versicherungsleistungen vereinbaren. Diese können beispielhaft wie folgt aussehen:

  • Rentengarantiezeit
  • Beitragsrückgewähr
  • Todesfallkapital
  • Pflegerente
  • Berufs- und Erwerbsunfähigkeitszusatzversicherung
  • Dread-Disease (Schwere Krankheiten Vorsorge)
  • Unfallszusatzversicherung
  • Witwen- und Waisenrente

Die meisten am Markt angebotenen Leibrenten kommen nicht in der Basisversion daher. Sie haben entweder bereits eine Todesfallleistung (Beitragsrückgewähr) oder eine Vereinbarung inkludiert, dass im Rentenfall eine Mindestzahl an Renten geleistet wird (im Todesfall werden diese Leistungen dann an die im Vertrag vermerkten Angehörigen bezahlt).

Neben diesen „systembedingten“ Einschlüssen von Versicherungsleistungen können meist weitere Zusatzversicherungen gewählt werden. Die Wesentlichste und Sinnvollste ist dabei die sogenannte BUZ (Berufsunfähigkeit Zusatz Versicherung) bzw. die EUZ (Erwerbsunfähigkeit Zusatz Versicherung), welche die versicherte Person vor den finanziellen Folgen einer Arbeitsunfähigkeit schützt. Diese ist normalerweise in ratierlichen Verträgen standardmäßig vorhanden: Die sogenannte Prämienbefreiung ist nichts anderes als eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung, welche dafür sorgt, dass auch im Falle einer schweren Krankheit oder eines Unfalls das avisierte Sparziel sicher erreicht wird.

Machen zusätzliche Versicherungsleistungen bei einer aufgeschobenen Rentenversicherung Sinn?

Das muss jeder für sich entscheiden. Was Sie allerdings wissen müssen: Jede noch so kleine Zusatzversicherung kostet Sie Geld und vermindert damit die angestrebte Rente. Sollte Geld keine Rolle spielen, ist das natürlich kein Thema. Überall dort, wo man versucht mit den vorhandenen Mitteln eine maximale Rente zu generieren, muss man sich sehr genau überlegen, welchen Zusatzleistungen man einschließen will.

Beispiel: Die Rentengarantiezeit ist praktisch in allen Verträgen enthalten (weil das den Versicherungen damit viel Ärger mit den Erben erspart). Wenn jedoch die eigene Rente knapp und keine Angehörigen da sind, welche auf eine Unterstützung angewiesen sind, sollte man hier vielleicht überlegen, ob diese Absicherung tatsächlich sinnvoll ist.

Ob Zusatzversicherungen sinnhaft sind, kann also nur im Einzelfall entschieden werden.

Kann man mit Zusatzversicherung auch Geld sparen?

Ja das kann man. Dies betrifft in erster Linie die Absicherung der Arbeitskraft. Als Zusatzversicherung ist dieser Risikoschutz deutlich günstiger, als in einem eigenständigen Vertrag. Das ist auch der Grund, weshalb dies relativ häufig gemacht wird.

Hat allerdings auch Nachteile, weil die Zusatzversicherung an den Hauptvertrag gebunden ist. Löst man diesen auf, ist auch die Risikoversicherung dahin. Ob man diesen Schutz dann auf dem Markt überhaupt noch bekommt, ist mehr als unsicher. Ob man ihn zum selben Preis bekommt höchst unwahrscheinlich.
Deshalb wird allgemein empfohlen, die Arbeitsunfähigkeit in einem eigenständigen Vertrag abzusichern.

Werden aufgeschobene Rentenversicherungen steuerlich anders behandelt wie Sofortrenten?

In Bezug auf die Rentenzahlung gibt es keinen Unterschied: ob aufgeschoben oder sofortbeginnend werden alle Rentenversicherungen zum Rentensatz besteuert.
Aufgeschobene Rentenversicherungen haben jedoch einen ganz bestimmten Steuervorteil, den keine andere Anlage sonst bieten kann: Die Erträge in der Police bleiben absolut steuerfrei, wenn das Kapital in eine Rente umgewandelt wird.

Beispiel:

Wenn sie sich heute entscheiden, Ihre 50.000 EUR in eine für 5 Jahre aufgeschobene Rentenversicherung zu investieren, erhalten sie nach 5 Jahren die volle Rente auf dem Anlagebetrag und dem Zins.

Wenn Sie diese 50.000 EUR bis zum Rentenbeginn selber verwalten (Tagesgeldkonto oder dergleichen), müssen Sie auf die Einkünfte die gesetzliche Abgeltungssteuer und den Soli bezahlen. Wenn Sie nach 5 Jahren das angelegte Kapital in eine Sofortrente investieren, können Sie ihre 50,000 EUR also nicht mit dem vollen Zinsertrag, sondern nur mit dem um die Steuern reduzierten Restzins investieren. Einmal abgesehen davon, dass die Abschlusskosten dann auch nicht auf 50.000 EUR, sondern auf 50.000 zzgl. Restzins berechnet werden …

Das volle Steuerprivileg kommt allerdings nur zum Tragen, wenn das Kapital verrentet wird. Wird es während oder am Ende (Kapitaloption) der Aufschubzeit ganz oder teilweise ausbezahlt, gelten die normalen Steuerregelungen.

Wie sieht die Vermögensanlage einer aufgeschobenen Leibrente aus?

Diese Frage kann man so nicht beantworten, denn es gibt unzählig viele unterschiedliche Formen einer aufgeschobenen Leibrente. Der Einfachheit halber wollen wir diese in zwei Kategorien unterteilen:

• Die klassische, aufgeschobene Rentenversicherung
• Die anteilsgebundene, aufgeschobene Rentenversicherung (Fonds-Rente)

Dabei muss aber klar sein, dass diese Vereinfachung wirklich nur der Anschauung dient. In Tat und Wahrheit sind die Verhältnisse viel differenzierter.

Die klassische aufgeschobene Rentenversicherung

Da ist zum einen die klassische Form der aufgeschobenen Rentenversicherung, wie wir sie in Deutschland seit Jahrzehnten kennen. Diese funktioniert nach dem sogenannten Deckungsstockprinzip. Hier legt die Versicherungsgesellschaft im Rahmen enger (manche Leute sagen „zu engen“) gesetzlichen Rahmenbedingungen das Kapital so an, dass nach menschlichem Ermessen die vereinbarten Leistungen JEDERZEIT erfüllt werden können. Das klingt nicht nur nach konservativer Vermögensverwaltung, es ist auch sehr konservativ.

Die Vermögensanlage im Deckungsstock ist darauf ausgerichtet, dass das Ziel (d. h. die Erfüllung der eingegangenen Garantieversprechen) ganz sicher erreicht wird. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die zu erfüllende Garantie eine Verzinsung von 3 % erfordert und die Kapitalanlage (z. B. eine Anleihe) bei gleicher Laufzeit mindestens diese 3 % einbringt.

Im Deckungsstock will eine Versicherung grundsätzlich eigentlich nur jene Mittel liegen haben, welche exakt für die Darstellung der Garantieverpflichtungen notwendig sind. Warum? Weil das „überschüssige“ Kapital außerhalb des Deckungsstocks angelegt werden kann und dort viel geringeren Anlagerestriktionen unterliegt. Deshalb sind dort dynamischere Anlagen mit höherer Renditechance möglich.

Allerdings hat das sinkende Zinsniveau dazu geführt, dass immer weniger Geld in den freien Mitteln angelegt werden kann. Damit sinkt die Überschussrendite (siehe auch Überschüsse) immer weiter nach unten. Viele Versicherer können inzwischen sogar gar keine Überschüsse bei den aufgeschobenen Rentenversicherungen mehr ausweisen.

Die anteilsgebundene, aufgeschobene Rentenversicherung

Weil es immer mehr Versicherungsgesellschaften große Mühe bekunden die Versprechen der Vergangenheit zu erfüllen, steigt die Zahl derer, welche darauf verzichten als Gesellschaft selber ins Risiko zu gehen (also Garantien auszusprechen). Stattdessen versuchen sie ihr Heil darin, den Anleger selber mit dem Risiko der Kapitalanlage zu belasten. Das kann für beide Seiten von Vorteil sein.

Statt in einen Deckungsstock mit garantiertem Verlauf und garantiertem Rechnungszins wird das Geld in eine kollektive Vermögensverwaltung auf der Basis eines Fonds investiert. Der Anleger erhält dann nicht einen betraglich definierten Anspruch (mit einem eher abstrakten Anlagevehikel im Hintergrund), sondern einen ganz konkreten Anteil an einem Fonds, welcher eine klar definierte Anlagestrategie fährt. Den Wert ihrer Anlagen können die Anleger dadurch in der Regel börsentäglich nachvollziehen.

Der Vorteil von anteilsgebundenen aufgeschobenen Rentenversicherungen liegt in der freien Vermögensbewirtschaftung, welche höhere Renditen verspricht, als die durchregulierte Vermögensverwaltung in einem Deckungsstock. Die Versicherten werden dabei voll am Gewinn der Vermögensanlage beteiligt und müssen nicht befürchten, dass man ihnen irgendwelche Gewinnanteile vorenthält.

Der Nachteil von Fondspolicen ist allerdings, dass die Chance auf Gewinn untrennbar mit dem Risiko auf Verlust verbunden ist. Verluste, welche nicht durch das Auflösen von stillen Reserven (die Verbraucherschützer allzu gerne anprangern und verteufeln …) aufgefangen werden können.
Außerdem ist der Verlauf der Wertentwicklung während der Aufschubzeit nicht zu hundert Prozent planbar. Während bei einer klassischen aufgeschobenen Rentenversicherung der Wertverlauf (Rückkaufswert) aus einer Tabelle abgelesen werden kann, ist der Verlauf einer anteilsgebundenen aufgeschobenen Rentenversicherung vom Kapitalmarkt abhängig und der ist bekanntlich kurzfristig nicht zu kontrollieren.

Weshalb wird die aufgeschobene Rentenversicherung gerne als Kapitalanlage eingesetzt?

Die Lebensversicherungen haben im Jahr 2005 ihr Steuerprivileg weitgehend verloren. Trotzdem werden Lebensversicherungen weiterhin als Gefäß für die Verwaltung von Vermögen eingesetzt. Weshalb? Und warum sollen aufgeschobene Rentenversicherungen dafür besonders geeignet sein?

Der verbleibende Steuervorteil von Lebensversicherungen besteht zu einem in einem Steueraufschub: Anders als bei freien Vermögensanlagen fällt während der Laufzeit bei Lebensversicherungen keine Abgeltungssteuer an. Zinsen, Erträge und Kapitalgewinne beim Verkauf von Wertpapieren bleiben von Steuerabzügen befreit. Erst am Ende der Laufzeit, beim Kapitalbezug werden die entsprechenden Steuern zur Zahlung fällig.

Ein reiner Steueraufschub stellt noch keinen Gewinn dar. Dieser entsteht, wenn die aufgeschobenen Steuern weiter angelegt werden und Zinsen und Kapitalgewinne liefern.

Weiter wird bei der Auszahlung des Versicherungskapitals die Differenz zwischen Auszahlung und Einlage besteuert. Das bedeutet, dass alle Kosten der Vermögensverwaltung steuermindernd in Abzug gebracht werden können. Wenn dann noch die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden (Laufzeit mindestens 12 Jahre, Endalter mindestens 60), kommt es zum Halbeinkünfteverfahren. In diesem wird nur die Hälfte des Zugewinnes zum persönlichen Steuersatz besteuert. Das kann dazu führen, dass der Steuerbetrag deutlich kleiner als bei der Abgeltungssteuer ausfällt.

Doch zurück zur aufgeschobenen Rentenversicherung. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass während der Aufschubzeit keine Risikokosten anfallen. Damit wird der Ertrag nicht durch Kosten für einen Risikoschutz geschmälert, den man eigentlich gar nicht braucht. Das macht die aufgeschobene Rentenversicherung als Kapitalanlage-Gefäß so interessant.

Wie man den Steuervorteil der aufgeschobenen Rentenversicherung voll nutzt

Wie bereits beschrieben, ist das ehemalige Steuerprivileg von Lebensversicherungen ja im Jahr 2005 abgeschafft worden. So ganz stimmt das allerdings nicht: Wer eine aufgeschobene Leibrente nicht einfach nur als Kapitalanlagevehikel nutzt, sondern tatsächlich aus dem aufgebauten Kapital eine Rente zieht, kann auch weiterhin vom vollen Steuervorteil auf seinen Vermögenserträgen profitieren.
Zwar wird die resultierende Leibrente zum Rentensatz besteuert (siehe auch Besteuerung zu Rentensatz), doch die zuvor während der Aufschubphase erzielte Wertsteigerung auf dem Vermögen bleibt steuerfrei! Damit bleibt die aufgeschobene Rentenversicherung eine der wenigen Steuersparmodelle, bei denen der Staat nicht hinterrücks wieder abgreift, was er vorne großzügig „geschenkt“ hat.

Es versteht sich von alleine, dass dieser Steuervorteil dann am größten ist, je höher die Vermögensrendite liegt. Entsprechend profitiert aktuell die klassische aufgeschobene Rentenversicherung aufgrund der tiefen Zinsen relativ wenig bis gar nicht von diesem Steuervorteil. Die eigentlichen Gewinner sind also die Inhaber einer fondsgebundenen aufgeschobenen Leibrente mit hohem Aktienanteil.