Die 2. Schicht der Altersvorsorge nach dem AltEinkG

In der 2. Schicht der Altersvorsorge werden im Alterseinkünftegesetz (AltEinkG) jene Vorsorgeformen zusammengefasst, welche in irgendeiner Weise an die Erwerbstätigkeit gekoppelt sind. Auch hier hat die durch die Rürup-Kommission eingeleitete Reform dazu geführt, dass nur noch jene Vorsorgewege gefördert werden, welche dem Prinzip der Festlegung auf eine spätere Rente gerecht werden. Aus historischen und wohl auch aus politischen Gründen wird in der 2. Schicht der Vorsorge dieses Prinzip jedoch nicht ganz so streng verfolgt, wie in der 1. Schicht. Im Falle der Riester-Rente wurde es sogar nach relativ kurzer Zeit wieder deutlich verwässert.

Die 2. Schicht – die Lücken der ersten Schicht so weit als möglich schließen

Wie wir bereits bei der 1. Schicht gesehen haben, versucht der Gesetzgeber zu verhindern, dass der Staat über Zuschüsse und Steuerprivilegien den privaten Vermögensaufbau subventioniert. Dies geschieht aus der Erfahrung, dass zahlreiche Bürger im Alter mit dem aufgebauten Vorsorgekapital nicht etwa den Lebensunterhalt finanziert haben, sondern das plötzlich frei gewordene Kapital dazu genutzt haben, um sich langgehegte Träume zu erfüllen. Mit der Folge, dass am Ende das Kapital weg war und die Betroffenen auf die Grundsicherung angewiesen waren.

Um das-3-Schichtenmodell mit der 2. Schicht der Altersvorsorge als Zusatzversorgungdiesem Problem zu begegnen, hat die Rürup Kommission vorgeschlagen, an eine steuerliche Förderung folgende Bedingungen zu knüpfen:

  • Leistungen aus einer Altersvorsorge der 1. Schicht bestehen immer aus einer lebenslangen, monatlichen Leibrente
  • Diese Leistungen sind nicht vererbbar (Hinterbliebenenrenten sind unter klaren Rahmenbedingungen möglich)
  • Die Ansprüche sind nicht veräußerbar
  • Die Leistungen sind nicht übertragbar
  • Die Anwartschaft ist nicht beleihbar
  • Leistungen dürfen nicht kapitalisierbar sein.

Wenn die 1. Schicht zumindest in der Theorie dazu dient, die Grundbedürfnisse der Menschen im Ruhestand zu sichern (Sicherung des Existenzminimums), soll die 2. Schicht der Altersvorsorge ein darüber hinausgehender Bedarf abdecken. Es handelt sich bei der 2. Schicht der Altersvorsorge nach den Vorstellungen der Politik also um eine Zusatzversorgung.

Dass die Politik eine andere Sicht auf die Realität hat, wie der durchschnittliche Bürger, zeigt sich allerdings auch in der Altersvorsorge. Für einen großen Teil der Bevölkerung – man geht davon aus, dass dies schon Mitte der zwanziger Jahre 30-40 % der zukünftigen Rentner betrifft – wird auch eine Zusatzversorgung nichts daran ändern, dass das Existenzminimum im Alter nicht oder kaum spürbar überschritten wird!

Die 2. Schicht der Altersvorsorge hat eine klare Zielgruppe: den Mittelstand

Für die wirtschaftliche Mittelstand der Arbeitnehmer ist die 2. Schicht der Altersvorsorge allerdings eine wichtige Stütze der Altersversorgung, weil durch die Absenkung des allgemeinen Rentenniveaus ansonsten eine riesige Versorgungslücke entsteht. Für Unternehmer und Selbstständige ist sie sogar die wichtigste Säule der geförderten Altersvorsorge.

Die Riester-Rente – Abkehr vom Umlageverfahren

Die 2. Schicht der Altersvorsorge beinhaltet zum einen die im Jahre 2001 eingeführte Förderrente, auch Riesterrente genannt. Sie ist die einzige Form der geförderten Altersvorsorge, bei welcher die Förderung nicht alleine aus steuerlichen Vorteilen besteht, sondern in denen das Finanzamt unter bestimmten Voraussetzungen einen Teil der Beiträge übernimmt. Mehr über die Riester-Rente erfahren Sie in der entsprechenden Rubrik. Klicken Sie hierfür auf diesen Link: Riesterrente.

Die Förderrente / Riesterrente dient dazu, die Absenkung des Versorgungsniveaus der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) aufzufangen. Der einzelne Arbeitnehmer / Arbeitnehmerin sollte durch eigenverantwortliches Sparen dafür besorgt sein, dass die entstehende Rentenlücke wieder geschlossen wurde. Vor diesem Hintergrund können wir nachvollziehen, weshalb sich die staatliche Förderung der Riesterrente an Menschen mit sozialversicherungspflichtigem Einkommen (unmittelbar als Arbeitnehmer / Arbeitnehmerin, mittelbar als Ehegatte eines Arbeitnehmers / Arbeitnehmerin) gebunden ist.

Die Förderrente stellte eine Abkehr des staatlichen Prinzips der umlagefinanzierten Rente dar. Hier zeigt sich, dass die Riesterrente ein Kind ihrer Zeit ist. Ende der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts herrschte in Bezug auf den Erfolg von Kapitalanlagen die feste Überzeugung, dass kapitalgedeckte Rentensysteme die passende Antwort auf den drohenden Kollaps der umlagefinanzierten gesetzlichen Rente darstellen. Heute, zwei globale Finanzkrisen später, beginnt man zu erkennen, dass diese Betrachtungsweise keine absolute Richtigkeit hat.

Die betriebliche Altersvorsorge bAV

Zwar ist die Riester-Rente wahrscheinlich das bekannteste Vorsorgeprodukt, welches die zweite Schicht der Altersvorsorge zu bieten hat. Die betriebliche Altersvorsorge, welche eine ungleich längere Tradition aufweist, ist jedoch vom Volumen und der Bedeutung weitaus wichtiger.

Der Unterschied zwischen Riester-Rente und einer bAV liegt darin, dass die Förderung der betrieblichen Altersvorsorge nicht über die jährliche Steuererklärung erfolgt, wo die Betroffenen einen Abzug wegen eines Sonderaufwandes geltend machen können. Die bAV wird nicht aus dem Netto finanziert (aus dem bereits versteuerten und mit Sozialversicherungsbeiträgen belasteten Nettoeinkommen), sondern auf der Ebene des Arbeitgebers aus dem Brutto.

Aufwendungen für die betriebliche Altersvorsorge (bAV) werden in der Buchhaltung des Unternehmens als Aufwand geltend gemacht. Somit gelangen die geleisteten Beiträge gar nicht erst auf den Gehaltszettel. Beiträge aus der bAV werden also aus dem sogenannten Brutto finanziert.

Die bAV ist Arbeitgebersache

Prämienzahler der betrieblichen Altersversorgung (bAV) ist also nicht der Arbeitnehmer, sondern der Arbeitgeber. Dieser verspricht seinen Mitarbeitern eine wie auch immer geartete Leistung im Alter bzw. für die Altersvorsorge. Für die Erfüllung dieses Versprechend – welcher der Arbeitgeber in aller Regel über einen externen Finanzdienstleister abwickelt – haftet der Arbeitgeber.

Viele Arbeitgeber sind sich dieser Haftung gar nicht bewusst, weshalb es nicht selten ist, dass unsauber formulierte Verträge dazu führen, dass der Arbeitgeber zu Zahlungen vom Gericht zu Zahlungen verpflichtet wird, welche aus einer ungenügenden Absicherung der hinterlegten Vorsorgeprodukte (Stichwort Kursentwicklung, Zinstief, etc.) entstanden sind.

Die richtige Formulierung des Versorgungsversprechens und die geeignete Auswahl des passenden Durchführungsweges der betrieblichen Altersvorsorge sind deshalb von großer Bedeutung. Bezüglich der Durchführungswege steht ein abschlusswilliger Arbeitgeber vor fünf mehr oder minder unterschiedlichen Möglichkeiten:

  • Die Direktzusage
  • Die Unterstützungskasse
  • Die Pensionskasse
  • Die Direktversicherung
  • Der Pensionsfonds

Obwohl der Arbeitgeber immer der Prämienzahler ist, bedeutet dies nicht automatisch, dass er auch die Kosten der betrieblichen Altersvorsorge zu tragen hat. Grundsätzlich gibt es beide Formen: die vollständig arbeitgeberfinanzierte und die vollständig arbeitnehmerfinanzierte bAV. Dazu sind sämtliche Mischformen denkbar.

Arbeitnehmer haben einen klaren Rechtsanspruch auf bAV

Von Gesetzeswegen haben alle Arbeitnehmer das Recht auf eine betriebliche Altersvorsorge (bAV), wobei dieses Recht nur darin besteht, die bAV durch eine Gehaltsumwandlung (Arbeitgeber reduziert das Gehalt in Höhe der Beiträge) zu erzwingen.

Auch bei einer Gehaltsumwandlung bestimmt alleine der Arbeitgeber, über welchen Durchführungsweg und mit welchem Finanzdienstleister er das Ganze realisiert möchte. Das hat durchaus seine Berechtigung, da der Arbeitgeber ja für die Leistungen am Ende haftet.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, den Arbeitnehmer auf sein Recht auf Gehaltsumwandlung hinzuweisen. Unterlässt er dies, haftet er wiederum für den entstandenen Schaden – in diesem Falle für die entgangenen Vorteile einer bAV.

Wie bei allen steuergeförderten Vorsorgeprodukten der 1. Und 2. Schicht unterliegen die späteren Renten der vollen Besteuerung (aktuell befinden wir uns allerdings in Bezug auf die Besteuerung in einer Übergangsphase, in welcher der steuerbare Anteil bis 2040 jedes Jahr erhöht wird).

Zusammenfassung 2. Schicht der Altersvorsorge

Die 2. Schicht der Altersvorsorge dient dazu, die Versorgung im Alter über das absolut Notwendige hinaus abzusichern. Diese Absicherung ist wichtig, weil das zukünftige Rentenniveau kaum mehr als die reine Existenzsicherung zulässt. Es wird sogar erwartet, dass rund 40 % der zukünftigen Rentner trotz Beiträge in die 2. Schicht der Altersvorsorge nicht über die Grundsicherung hinaus kommen. (Woraus abgeleitet wird, dass es für diese Geringverdiener einfach keinen Sinn macht, freiwillig in Vorsorgeprodukte der 2. Schicht zu investieren.)
Besonders für den finanziellen Mittelstand stellt die 2. Schicht der Altersvorsorge eine geeignete Möglichkeit dar, effektiv auf eine solide Altersversorgung hinzusparen, weil der Staat durch das Gewähren von Steuerabzügen und Förderbeiträgen den Ansparprozess unterstützt.
Die Förderung des Staates stellt allerdings in vielen Fällen lediglich ein Beitrag auf Zeit dar. Da das Finanzamt die resultierenden Renten voll besteuert, wird ein großer Teil der Förderung, evtl. sogar alles im Rentenalter wieder an die Steuerkasse zurückfließen.
Unter dem Strich lohnt sich die geförderte Altersvorsorge der 2. Schicht also vor allem dann, wenn sich der Arbeitgeber bereit erklärt, zusätzlich zum bisherigen Gehalt, die Beiträge an die bAV teilweise oder sogar ganz zu finanzieren.